Forschungsthemen

 

Ultralanglebige Investitionsgüter

Die Auswirkungen vieler Wirtschaftsgüter gehen über die geplanten finanziellen und nicht-finanziellen Konsequenzen der Entscheidungsträger weit hinaus. Zum einen berücksichtigen Entscheidungsträger nicht alle relevanten sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekte. Zum anderen entfalten Wirtschaftsgüter häufig Wirkungen, die über den Bewertungshorizont von Entscheidungsträgern und ihren Anspruchsgruppen hinausgehen. In diesem Sinn kann von einem Bewertungs- und von einem Wirkungshorizont gesprochen werden. Diese Unterscheidung ist zugleich konstituierend für ultralanglebige Wirtschaftsgüter.

EME untersucht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz von ultralanglebigen Wirtschaftsgütern. Dabei werden sowohl einzelwirtschaftliche Kalküle als auch gesamtwirtschaftliche und technologische Konsequenzen eingehend betrachtet.

Definition

Ein Wirtschaftsgut heißt ultralanglebig aus Sicht einer Bewertungsinstanz (Entscheidungsträger und Stakeholder) genau dann, wenn der für die Bewertungsinstanz relevante Wirkungshorizont T2,e für den Entscheidungsträger bzw. T2,s für einen Stakeholder wesentlich über den Planungshorizont T1 des Entscheidungsträgers hinausragt, welcher für die Entstehung und Gestaltung des Wirtschaftsgutes maßgeblich ist oder war. Der Wirkungshorizont beschreibt den Zeitraum, in dem für die Bewertungsinstanz nutzenrelevante Konsequenzen auftreten, der Planungshorizont beschreibt den Zeitraum, bis zu dem Konsequenzen berücksichtigt werden.

Rolle von Stakeholdern

Ein wesentlicher Ansatz von EME besteht darin, die Sichten von Investoren, von Marktteilnehmern, verschiedener Stakeholdergruppen und der Politik auf ultralanglebige Wirtschaftsgüter in ihren verschiedenen zeitlichen Dimensionen einzubeziehen. Dies ermöglicht nicht nur fundierte wissenschaftliche Aussagen, sondern führt zu einer Versachlichung der Diskussion um neue Technologien und Technologiepfade.

 

Prosumenten

Der Prosument ist Produzent und Konsument zugleich, dadurch bildet er eine aktive Einheit in der Wertschöpfungskette. Traditionell ist die Wertschöpfungskette die Domäne der Produzenten. Der Prosument hingegen weicht dieses starre Konzept einer Arbeitsteilung zwischen Produzieren und Konsumieren auf und schafft Raum für interaktive Lösungsansätze in beiden Domänen. Die ebenfalls geläufige Definition des Prosument als professioneller Konsumenten spielt für den Fokus dieses Forschungsbereichs keine Rolle.

Als Phänomen der post-industriellen Ära entwickelt sich der Prosument als vielversprechender Marktteilnehmer in mehreren wissenschaftlichen Disziplinen. Ökonomisch wird durch den Prosumer der Konsument wieder (in der pre-industriellen Zeit ist der Prosument das vorherrschende Wirtschaftssubjekt) in die Wertschöpfungskette integriert. Für den Forschungsbereich EME ist die Definition des Prosumenten ebenfalls eine ökonomisch-motivierte Einheit, welche z.B. Energie konsumiert, produziert und speichert, ein eigenes Energienetz betreibt und Strom transportiert, und ökonomische Entscheidungen bezüglich der Energienutzung optimiert.

Gerade die jüngere Entwicklung auf dem Bereich des Web2.0 eröffnet vielen Wirtschaftsbereichen ganz neue Möglichkeiten das Konzept des Prosumenten umzusetzen. Mit Fokus auf die Energiebranche ergeben sich neue Perspektiven/Alternativen zu bestehenden Marktlösungen, Stakeholdern, Wettbewerbsstrukturen und Konsumentenverhalten und weiteren relevanten Analyseschwerpunkten. Das Konzept des Prosumenten eröffnet der ökonomischen Analyse völlig neue Möglichkeiten und aber auch Notwendigkeiten. Dies beruht hauptsächlich auf der Tatsache, dass der Prosument die Rolle des universellen Entscheiders innehat, der sowohl auf der Seite der Produzenten als auch der Konsumenten agiert.

Aus ökonomischer Sicht gilt es die vorhandenen Lösungsansätze zu überprüfen und näher an die Entscheidungsrealität des Prosumenten heranzuführen. Die Analyse des Phänomens ergibt sich als eine Integration unterschiedlichster ökonomischer Methoden, um letztlich zu einer qualitativen Aussage zu kommen.